Schulen und die Kosten
Die Kosten variieren innerhalb einer Bandbreite von 350 EUR bis zu 3000 EUR und hängen von verschiedenen Faktoren und vom Internat ab. Diese hängen u.a. von der Art der Unterbringung (Einzelzimmer oder Mehrbettzimmer), von der Art der Verpflegung (Teil- oder Vollverpflegung) und von den Freizeitangeboten ab.
Bei den katholischen und staatlichen Internaten liegen die monatlichen Kosten bei 350 EUR bis hin zu 900 EUR. Die evangelischen Internate in Deutschland können bis zu 1.200 EUR pro Monat kosten. Die Kosten je Monat bei den privaten Internaten liegen bei 600 EUR bis zu 3000 EUR.
Neben diesen Kosten muss man weitere Ausgaben für Taschengeld, Materialien und Reisekosten einkalkulieren, die 15 bis 20 Prozent ausmachen können.
Die Kosten werden zum Teil und in Einzelfällen von Jugendämter getragen. Des Weiteren bieten einige Internate in Deutschland Stipendien an.
Was ist eine gute Schule?
Diskussionen über Qualitäten und Mängel der Schule verlaufen oft unbefriedigend. Jeder von uns hat Schulen besucht, genossen, erlitten ... Jeder besitzt seine spezifischen Erinnerungen. Die vielen Anekdoten, die bei den Erzählungen von damals zum besten gegeben werden, kennen wir als beredtes Zeugnis.
Keine Frage, wenn es um Schule geht, ist jeder emotional stark betroffen. Kaum jemand, der nicht mitreden will, kaum jemand, der sich nicht erregt - und kaum jemand, der Schule rundum gut findet. Die Schulzeit hat in unser aller Lebensgeschichte tiefe Spuren hinterlassen. Vermutlich ist es diese Betroffenheit, die zugleich die eklatante Uneinigkeit bei der Kritik der Schule und bei der Suche nach Verbesserung bewirkt.
Ein zweites kommt hinzu: Was als eine gute Schule anzusehen ist, das bestimmen immer auch weltanschauliche, politische und manchmal religiöse Auffassungen. Schulreform oder keine Schulreform, diese Frage wird meist zu einem Politikum. Ob es Fragen sind, die Pädagogen seit langem für geklärt halten, schulische Lernverfahren, die schon vor Jahrzehnten erprobt wurden, Forderungen, die immer wieder erhoben wurden - sobald solches ernsthaft droht, auf die Regelschul-Wirklichkeit Einfluss zu nehmen, stehen konservative wie progressive Politiker, Elternverbände und Lehrerorganisationen Gewehr bei Fuß, um sich publizistische und
publikumswirksame Wortgefechte zu liefern.
Meist geschieht es auf dem Rücken der Betroffenen. Doch wen kümmert's? Vor allem, wenn gerade Wahlkampf ist! Wer bemüht ist, allein von pädagogischen Gesichtspunkten her zu denken und zu urteilen, hat es zwischen solchen Fronten schwer.
Über die Schule also erhitzen sich zahllose Gemüter mit zahllosen Argumenten. Was eine gute Schule wäre, das wissen viele, doch ihre Luftschlösser sehen alle anders aus. So wie sich die Schule indessen heute präsentiert, begeistert sie kaum jemanden. Allein dem Kultusminister verbleibt die undankbare Aufgabe, zu verteidigen, was zu verteidigen ist. Doch das ist nicht viel.
Kritiker haben es stets leichter als jene, die in der Verantwortung stehen und selbst gestaltend tätig werden müssen. So können auch die scheinbar so mächtigen Ministerien heute kaum eine Entscheidung treffen, ohne sich zugleich den Zorn diverser Interessengruppen zuzuziehen und eventuelle Wählerstimmen zu verlieren.
Die ungeteilte Zustimmung gewinnt heute noch immer derjenige, der die Defekte des Regelschulwesens skandalträchtig anprangert.
Die Mängelliste aber verdeutlicht, wo die pädagogischen Probleme der aktuellen Schulwirklichkeit liegen. Nicht jeder Kritiker wird jedem Punkt zustimmen. Wunde Punkte sind es aber allemal. Eine gute Schule wird sich daran messen lassen müssen, wie sie mit den hier zutage tretenden Grundfragen umgeht.
Die Beurteilungspraxis und die Leistungsanforderungen der Schule erweisen sich immer wieder als unangemessen
- Schulstress greift um sich.- Mehr als 50% der Kinder und Jugendlichen werden von Schulangst geplagt.
- Zwei Millionen Zensuren werden täglich in Deutschland verteilt, 400 Millionen im Jahr, davon 40 Millionen Fünfen und Sechsen.
- Dies geschieht, obwohl es kaum noch einen Lehrer oder Schulaufsichtsbeamten geben dürfte, der nicht um die Fragwürdigkeit, Widersprüchlichkeit und Aussagelosigkeit des Zensurengebens weiß.
- Etwa 400000 Schüler bleiben jedes Jahr sitzen, das bedeutet 400000 Familiendramen und 400000mal ein verletztes Selbstwertgefühl.
- Von den Eltern sehen sich 40% genötigt, direkte Hilfen bei Hausaufgaben zu geben. Weitere 43% geben indirekte Hilfen wie Ermahnungen und Kontrollen.
Schulische Lernarbeit gestaltet sich freudlos und ineffektiv
- Lernen macht keinen Spaß. Der Erstklässler, der anfangs noch lernbegierig war, wird nach einiger Zeit meist desillusioniert. Er wird häufig übergangen, ohne daß man sein Verhalten als ein Alarmsignal erkennt.- Die Lehrer sprechen 50-80 % aller Wörter im Unterricht, der einzelne Schüler dagegen nur 1-2%, und dass der Lehrer pro Tag etwa 300 Fragen stellt, der Schüler nur eine einzige.
- Das Kind in der Regelschule muss sich seiner Vermassung unterwerfen. Gelernt wird im Gleichschritt, nach dem allgemein verbindlichen Lehrplan, nach der Methode, die für alle vorgeschrieben wird, ohne Raum für individuelle Interessen, spontane Einfälle oder kreative Ideen.
Der Regelschulbetrieb vernachlässigt erzieherische und emotionale Elemente der kindlichen Entwicklung in eklatanter Weise
- Von allen Aspekten kindlichen Verhaltens interessiert in der Schule nur die Fähigkeit zu kognitivem Lernen.- Sobald Aggressionen, Ängste oder Konflikte während des Unterrichts auftreten, muss der Lehrer versuchen, ihr Erscheinen abzustellen. So werden emotionale und soziale Spannungen bei den Kindern unterdrückt, statt sie herauszulassen, zu bereden, zu verarbeiten und möglichst zu lösen.
- In der Regelschulpraxis zählt vornehmlich Messbares. Nicht Messbares wird ignoriert, als bedrohlich empfunden und gar ausgetrieben. Angesichts immenser Disziplinprobleme sehen sich viele Regelschullehrer kaum noch zu eigentlichem Unterricht in der Lage.
- Ein ständiges Klima mit Angst und Zensurendruck verhindert ein organisches, lebensbejahendes und freudvolles kindliches Heranwachsen.
Schule also als Moloch, die von Sadisten und Tölpeln erdacht wurde? Aufzählungen wie die vorstehenden mögen einen solchen Eindruck erzeugen. Die Lehrer freilich, so sind sich fast alle Schulkritiker einig, trifft die geringste Schuld. Sie leiden oft doppelt an ihrem Arbeitsplatz. Viele Missstände treffen sie zwar anders, aber ebenso hart wie Schüler und Eltern. Und zugleich müssen sie stets als erste und sichtbarste Zielscheibe herhalten, wenn über Missstände gezetert wird.
Vieles, was wir aus der Schule fürs Leben mitgenommen haben, ist dort nie offiziell unterrichtet worden. Da waren die Bedingungen, unter denen' man zurechtkommen mußte, die Klassengemeinschaft, in der man sich durchsetzen musste, die Lehrer, die man zu nehmen wissen musste. So ist die Schule immer auch ein (Über-)Lebenstraining, wogegen an sich nichts zu sagen wäre.
Das Schlimme, ja das Katastrophale aber ist, dass gerade dieser Teil schulischer Wirklichkeit für die Kinder ohne Hilfe, ohne seelischen und pädagogischen Beistand, ohne Rücksichten und völlig unkontrolliert abläuft. Dort, wo Schule gerade heute am meisten gefordert wäre, beim Lehren, wie man lernt, wie man sich Wissen aneignet, beim Umgang mit den eigenen Gefühlen, Ängsten, Wünschen, beim Umgang mit anderen Menschen, beim Umgang mit schwierigen Lebenssituationen, dort leistet sie am wenigsten, dort lässt sie die Kinder allein. Vielleicht liegt darin eine wesentliche Ursache, warum wir mit dem Abstand des Erwachsenen die Schule so oft nur mehr zynisch abhaken können, warum so manchem noch heute ein Schauer über den Rücken läuft, wenn er an seine Schulzeit zurückdenkt, warum manchem nur ein Gefühl der Leere bleibt, des bitteren und etwas befremdlichen Triumphes, sich durchgekämpft zu haben.