Internatsschulen - Leitfaden

Internatsschulen sollte man für sein Kind nicht mit der Fragestellung suchen, ob es sich um eine gute oder eine schlechte Internatsschulen handelt, sondern vielmehr der Frage nachgehen, welche Internatsschulen in Deutschland am besten geeignet ist für das Kind.
Es gibt Beratungen, die bezüglich der Internatswahl Hilfestellungen geben können. Diese Dienstleistungen können Sie in Anspruch nehmen, sollten jedoch die Qualifikation des Beraters hinterfragen.
Besonders wichtig ist, dass man sich einen persönlichen Eindruck von dem jeweiligen Internatsschulen verschafft. Von daher sollten Sie einige der von Ihnen ausgewählten Internate besuchen. Dann können Sie sich einen persönlichen Eindruck von der Unterbringung, von den Lehrern und von der Atmosphäre verschaffen.

Besonders wertvoll können bei der Auswahl des richtigen Internatssschulen die Erfahrungen anderer sein. Um sich über Erfahrungen anderer zu informieren oder um selber Berichte und Erfahrungen zu veröffentlichen, hat Internat Deutschland ein eigenes Forum, das Ihnen zur Verfügung steht.
Sollten Ihnen Referenzen angeboten werden, was einige Internate machen, so kann es hilfreich sein, diese zu nutzen. So erfahren Sie aus erster Hand, welche Erfahrungen andere mit dem vom Ihnen favorisierten Internat gemacht haben.
Da es sich bei dem Wechsel auf eine Internatsschule nicht um einen kleinen Schritt für das Kind handelt, sollten keine übereilten Entscheidungen getroffen werden. Des Weiteren sollte der Vertrag gründlich gelesen und geprüft werden.

Die pädagogischen Grundmerkmale der Internatserziehung

Die typische Internatsschule gibt es natürlich nicht. Jedes Internat nämlich verfügt über ein eigenes, sehr besonderes Profil. So z. B. der Tagesplan im Internat
Natürlich gibt es neben Unterschiede auch substantielle Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Grundideen dieser Internatsschulen, die ich in den folgenden Punkten zusammenfassen will. - Der Unterricht, der in den Internatsschulen angeboten wird, verläuft in konventionellen Formen; man bemüht sich aber um besondere Qualität, etwa durch kleinere Klassen, individuellere Betreuung der Schüler, gute Ausstattung usw.
- Großen Wert legt man überall auf eine Ausbildung, die neben den klassischen schulischen Inhalten vor allem praktische, handwerkliche, künstlerische und sportliche Elemente betont. Die Arbeits- und Gruppengemeinschaften, in denen diese Aktivitäten ablaufen, werden zumeist Gilden genannt und haben feste Plätze im Wochenplan des Internatslebens. Sie prägen den Charakter der, jeweiligen Einrichtungen zu einem guten Teil mit.
- In diesem Zusammenhang steht auch das besondere Verhältnis zur Natur, das aus der Arbeit und aus der Lage der Internate spricht. Internatsschulen liegen nicht nur deswegen auf dem Land, doch stellen Werte wie Naturverbundenheit, Einfachheit und Abkehr von Zivilisationserscheinungen einen wesentlichen Bestandteil ihres Selbstverständnisses dar.
- Die Internatsschulen bemühen sich, die Kinder in deren Ganzheit zu sehen, zu verstehen und zu fördern. Auch wenn es um speziellere Fertigkeiten geht, wie etwa in einem Mathematikkurs, begreifen die Pädagogen die Kinder nicht nur unter diesem Aspekt, sondern in deren ganzem individuellem So-Sein und in ihrer komplexen Persönlichkeit, wie sie sie in die Lebensgemeinschaft einbringen.
- Die Landerziehungsheime sind Internate aus Überzeugung, und sie vertreten ihren Status offensiv. Sie sehen sich nicht etwa als Notbehelf, als schulisches Angebot für eine mit spezifischen Problemen belastete Klientel, sondern sie arbeiten mit dem Anspruch, eine wirklich andere, und zwar hervorragende Schulform darzustellen. Eine Bildung des ganzen Individuums, eine Berücksichtigung all der Aspekte, die sein Menschsein ausmachen, und nicht immer nur bestimmter Rollen, das ist eine Leistung, die die Internatsschulen bewusst erbringen wollen und auf die sie stolz sind: Sie bieten eine nicht geteilte Erziehung in einer Lebensgemeinschaft mit eigenen, hohen ethischen Grundsätzen.
- In diesem Zusammenhang spielt der Aspekt einer Erziehung in der Gemeinschaft und zur Gemeinschaft eine große Rolle. Die Internatschulen stellen geradezu »pädagogische Provinzen« dar, d.h. es sind soziale Organismen, die aus pädagogischen Gründen so und nicht anders geschaffen wurden, weil ihre Lage, ihre Regeln des Lebens und Lernens optimal für das Heranwachsen der Kinder gestaltet wurden; sie streben so etwas wie ein ideales Gemeinschaftsleben an, eine Vorwegnahme einer besseren Gesellschaft.
- Als oberstes Ziel ihrer Arbeit sehen die Internatsschulen eine ganzheitliche Bildung zum mündigen Bürger, ein Ziel, das zu erreichen ihnen aufgrund des vorher Gesagten natürlich weitaus eher zuzutrauen ist als Halbtagsschulen, die ein solches Ziel ja auch verfolgen. Bildung erwächst so im pädagogischen Denken der Internate zu einem zentralen Begriff; über den immer neu reflektiert wird und von dem aus man das pädagogische Handeln stets herzuleiten sucht.
Diese sieben Punkte stellen durchaus so etwas wie ein gemeinsames pädagogisches Programm der Internate dar.
Es sind Internatsschulen, die nicht zufällig, sondern absichtsvoll auf dem Land liegen. Die unmittelbar erfahrbare Nähe der Natur, ein vom Wechsel der Jahreszeiten und von den Besonderheiten der Landschaften bestimmter Lebensraum scheint ihnen, heute wie zur Zeit ihrer Gründer, eine unverzichtbare Voraussetzung für die Verwirklichung einer Lebensform zu sein, die ihrer pädagogischen Zielsetzung entspricht.
Es sind Internatsschulen, die Erziehung als ihre wichtigste Aufgabe ansehen. In den Begriffen lässt sich diese Betonung des Erzieherischen als ein Protest gegen die Kopflastigkeit von Schule, gegen die einseitige Überbewertung von intellektuellen Leistungen, gegen die Verkümmerung der Schule zur reinen Lernschule interpretieren. Natürlich ist für das Internat schulisches Lernen ein wichtiger Teil der von ihnen gewollten Erziehung. Aber sie gehen davon aus, daß auch die anderen, nichtintellektuellen Kräfte und Möglichkeiten, Eigenschaften und Fähigkeiten jedes Kindes und Jugendlichen Anregung und Förderung, der Kultivierung und Bildung bedürfen. Sie meinen, dass eine Schule, die diese Erziehungsaufgaben verdrängt oder als Überforderung von sich weist oder durch Disziplinarmaßnahmen zu lösen versucht, ihren pädagogischen Auftrag verfehlt. Es sind Internatsschulen, die nicht Institute oder Anstalten sein wollen, sondern ein Heim, ein Ort also, wo man als Kind oder Jugendlicher heimisch werden, sich zu Hause fühlen kann. Sie sind Wohn-Schulen für ihre Schüler und für ihre Lehrer. Es ist in ihnen nicht ungewöhnlich, dass ehemalige Schüler später ganz selbstverständlich zurückkommen, um einige Tage in ihrer Schule zu leben.
Das Internat eröffnet ergänzende Erfahrungs- und Lebensmöglichkeiten, die selbst das beste Elternhaus in Verbindung mit der besten Tagesschule heute so wenig versprechen kann wie zur Zeit der Gründung der Internate:

- die Notwendigkeit, über das gemeinsame Gute tagtäglich nachzudenken, es miteinander auszuhandeln und zu verwirklichen, d. h., sich immer wieder darüber zu einigen, was jetzt gelten soll, wie ein Wertkonflikt gelöst werden kann und was deshalb in einem konkreten Fall im Unterricht oder im Miteinanderleben geschehen muss;
- die prägende Erfahrung von praktischer Verantwortung füreinander und für den gemeinsamen Lebensraum, auch und gerade, wenn der nicht auf persönliche oder familiäre Bindungen beschränkt ist; und das bedeutet:
-gute Chancen für das Heranwachsen zum mündigen Bürger, also zum mutigen und verantwortungsbereiten Teilhaber an gesellschaftlichen Strukturen und Institutionen in einer Zeit, in der die Lebensbedingungen immer anonymer und fremdbestimmter werden. Die gemeinsame Überzeugung der Internatsschulen ist, dass ihr Festhalten an dieser Entdeckung ihrer Gründer nicht etwa das Beharren bei liebgewordenen und entsprechend verklärten Traditionen ist, sondern ein Auftrag, auch unter den Bedingungen der Gegenwart und der voraussehbaren Zukunft verantwortlich, menschenwürdig und zugleich den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen entsprechend zu erzielen.